Artikel in der Frankenpost vom 03.09.2012

Verein für Vespa-Freunde

 

Vom jüngsten Vespatreffen in Kulmbach angeregt, möchten zwei Hochfranken einen eigenen Club gründen. Im Mittelpunkt steht der Kultroller aus den Fünfzigern.

Hermann Wirth aus Stammbach und Heiko Wirth aus dem Helmbrechtser Ortsteil Stechera (von links) wollen den Club "Hochfranken-Vespas" gründen und suchen Mitstreiter, die ebenfalls vom Vespavirus befallen sind. Foto: Helmut Engel

Helmbrechts-Stechera/Stammbach - So ein "Vespenstich" kann ganz schlimme Folgen haben - besonders wenn man wie die beiden Wirths, Heiko aus Stechera und Hermann aus Stammbach - die übrigens nicht verwandt sind - vom "Vespenvirus" befallen wird. "Das ist eine unheilbare Krankheit", bekennen die beiden, die sich damit vor einigen Jahren infiziert haben.

Eigentlich gibt es ja schon eine eigens gegründete Interessensgemeinschaft, der auf dem Papier acht Mitglieder angehören. Die Mitglieder treffen sich, um gemeinsam zu schrauben oder gemeinsame Ausfahrten zu unternehmen. Kürzlich waren die beiden Wirths mit ihren "Vespen" auf dem Vespa-Treffen in Kulmbach, wo ein ganzer Schwarm von mehreren hundert Fahrzeugen eingeflogen war. Beim genauen Unter-die-Lupe-nehmen der verschiedenen Modelle aus den ersten 50 Jahren des Kultrollers fiel den beiden Hochfranken auf, dass zahlreiche mitgliederstarke Vespa-Clubs gemeinsam angereist waren.

"Merkst du eigentlich, dass wir immer nur zu zweit unterwegs sind?", sagte der eine Wirth zum anderen. Sie waren von dem Erlebten so sehr inspiriert, dass sie sich spontan entschlossen, etwas zu unternehmen, dass dies künftig anders wird. Man möchte ebenso geschlossen auftreten wie die anderen Vereine der Region und das Summen der "Vespen" im Schwarm und die staunenden Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger in der Gruppe genießen.

Zunächst sollen potenzielle Mitglieder angesprochen werden, die sich durch den Kauf oder die Restaurierung einer alten Vespa ebenfalls infiziert haben, bei denen der Virus aber noch nicht ausgebrochen ist. Die beiden sind sich sicher, dass es auch in den Landkreisen Hof und Wunsiedel sowie dem Kulmbacher Oberland genügend Vespabesitzer gibt, um einen mitgliederstarken Verein gründen zu können. Vorbilder sind Bayreuth und Kulmbach. Toni Uome, ein guter Bekannter von Hermann Wirth und Mitarbeiter der AFW-Creativ-Stickerei in Mannsflur, gestaltet ein Vereins-Logo, und wenn genügend Mitglieder gefunden sind, soll eine zentral liegende Gaststätte für die regelmäßigen Treffen gesucht werden.

"Vespas sind die einzig wahren Roller unter den vielen Mitstreitern, nur sie besitzen den unwiderstehlichen Charme, die natürliche Robustheit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit", schwärmt Heiko Wirth. Deshalb sollen in die Gemeinschaft nur Mitglieder aufgenommen werden, die alte kultige Blech- und Schaltroller besitzen oder sich mit solchen beschäftigen. Die Mitglieder des neuen Vereins sollen es sich zur Aufgabe machen, die "alten Schätzchen" zu erhalten und zu restaurieren. Heiko Wirth hat hier schon Vorarbeit geleistet und ein breites Netzwerk an Lieferanten von Original- und Reproteilen aufgetan. In seiner Werkstatt in Stechera, einem kleinen Ortsteil von Helmbrechts zwischen Ort und Lehsten gelegen, hat er schon eine große Sammlung an Spezialwerkzeug.

Die Werkstatt soll vergrößert und neu eingerichtet werden, damit auch eine Rollerhebebühne Platz findet. Solch eine eigene Werkstatt sei auch notwendig, weil die meisten kommerziellen Werkstätten heutzutage keine Erfahrung mehr hätten, klassische Schaltroller zu reparieren, zu restaurieren und oder zu tunen, sagt er. Außerdem sei es für den Vespa-Besitzer eine große Befriedigung, wenn er imstande sei, an seinem Roller selbst zu schrauben. Für Arbeiten, die nicht selbst ausgeführt werden können, wie Schweiß- und Lackierarbeiten, Motoreninstandsetzung oder für professionelles Zweitakttuning, hat Heiko Wirth schon Fachbetriebe aufgetan, die mit dem Vespa-Club zusammenarbeiten würden.

Die Gemeinschaft möchte den Kult wahren und deshalb nur Personen ansprechen, die Blech- und Schaltroller von der Mutterfirma Piaggio und deren Töchtern Vespa und Lambretta besitzen oder sich zulegen möchten. Leider sei das Angebot hier sehr gering. "Da ist nur schwer heranzukommen, und die Preise sind ziemlich hoch", kennt der Versicherungsmakler Hermann Wirth den Markt.

Für die Vespa-Besitzer ist ihr Roller nicht nur cool, er ist spritsparend und praktisch, weil man im Verkehr nicht nur schnell vorwärts kommt, sondern ganz entspannt am Ziel eintrifft.

 

Bericht: Helmut Engel